LED-Wand oder Beamer? Ein Firmenjubiläum im Zelt und ein Abend in der Münchner Olympiahalle zeigen, woran es hängt. Am Licht im Raum, an dem, was zwischen Beamer und Leinwand gerät, und am Budget. Warum ich die Frage erst vor Ort beantworte.
Ein Firmenjubiläum im Zelt, mitten am Tag. Die Einladungen waren längst verschickt, da kam der Wunsch, Bilder aus der Firmengeschichte zu zeigen.
Auf dem Papier klang das nach einer Kleinigkeit: ein Beamer, eine Leinwand, ein paar alte Fotos. Im Zelt bei Tageslicht hätte davon aber niemand etwas gesehen. Also haben wir eine LED-Wand gestellt. Bemerkenswert finde ich, wie die Frage überhaupt aufkam. Solange nur geredet werden sollte, brauchte niemand eine Leinwand. Erst mit den Bildern stand fest, dass etwas gezeigt wird, und damit auch, womit.
Diese Frage landet bei mir immer wieder auf dem Tisch, und eine Standardantwort habe ich nicht. Der Raum entscheidet mit, das Programm entscheidet mit, und das Budget sowieso.
Ein Beamer braucht Dunkelheit, eine LED-Wand nicht
Der Unterschied ist schnell erklärt. Ein Beamer wirft Licht auf eine Fläche. Jedes andere Licht, das auf dieselbe Fläche fällt, mischt sich in sein Bild: Sonne durch die Zeltplane, Tageslicht durch die Fenster, die normale Raumbeleuchtung, also das Putzlicht, wenn es sich nicht dimmen lässt. Schwarz wird grau, und Farben verblassen. Eine LED-Wand leuchtet dagegen selbst. Jeder Bildpunkt ist eine kleine Lampe, und die setzt sich auch gegen Tageslicht durch.
Daraus ergibt sich die erste Faustregel: Bei Tagesveranstaltungen im Zelt oder in hellen Räumen führt an der LED-Wand kaum ein Weg vorbei. Daran ändert auch ein besserer Beamer wenig.
Beim Jubiläum kam der Wunsch spät, und spät ist bei einer LED-Wand unbequem. Sie braucht einen festen Platz, Aufbauzeit und eine Stromversorgung, die mitgeplant ist. Lösbar ist das alles. Aber je später der Wunsch kommt, desto knapper werden Zeit und Auswahl.
Was zwischen Beamer und Leinwand gerät, landet im Bild
Das zweite Beispiel ist größer. In der Münchner Olympiahalle stand der Beamer auf der gegenüberliegenden Seite, das Bild ging also einmal quer durch die Halle bis zur Leinwand. Im Programm flogen große Luftballons durch die Arena, mitten durch den Strahl des Beamers, und für einen kurzen Moment war das Kamerabild von der Bühne weg. Schlimm war es nicht, es dauerte einen Augenblick, und an der Entscheidung für den Beamer war nichts falsch. Eine LED-Wand hätte den Moment nur gar nicht erst entstehen lassen. Inzwischen ist man dort auf LED umgestiegen.
Ich erzähle das, weil man daran denken muss, sobald sich etwas in der Luft bewegt oder dort hängt. Luftakrobatik zum Beispiel: Das Tuch für die Nummer hängt oft schon lange vor dem Auftritt von der Decke. Liegt es im Lichtweg des Beamers, steht es bis zur Nummer als Schatten auf der Leinwand. Dasselbe gilt für Deko, die von der Decke kommt. Gegen den Beamer spricht das nicht. Es heißt nur, dass der Weg zwischen Beamer und Leinwand in die Planung gehört.
Oft ist der Beamer die vernünftige Wahl
Das klingt jetzt, als wäre die LED-Wand immer die bessere Lösung. Ist sie nicht. Sie ist in der Regel die teurere, und Geld, das in die Wand fließt, fehlt an anderer Stelle. Deshalb wäge ich jedes Mal ab, was vor Ort Sinn ergibt.
Ein leistungsstarker Beamer in einem Saal, den man abdunkeln kann, liefert ein gutes Bild. Entscheidend ist, ob sich das Licht im Raum dimmen lässt. Genau das frage ich bei jeder Besichtigung ohnehin, und hier zahlt sich die Antwort doppelt aus. Lässt sich das Putzlicht nur an- und ausschalten und gibt es keine Verdunklung, wird es mit dem Beamer schwierig. Lässt sich alles regeln, spricht wenig gegen ihn.
Ich setze die LED-Wand gern ein, wo sie gebraucht wird. Wo ein guter Beamer im dunklen Saal dasselbe leistet, rate ich davon ab.
Entschieden wird beim Termin vor Ort
Am Schreibtisch sehen beide Varianten gleich gut aus. Im Raum nicht. Deshalb kläre ich die Frage bei der Besichtigung, und dabei schaue ich mir vier Dinge an.
Zuerst das Licht: Woher kommt Tageslicht, lässt es sich aussperren, und wie weit lässt sich der Saal herunterdimmen? Dann der Weg: Wo könnte der Beamer stehen, und was gerät zwischen ihn und die Leinwand, vom Bühnenaufbau bis zur Deko? Dann die Sicht. Die unterste Bildkante muss über die Köpfe der vorderen Reihen hinweg zu sehen sein, das hängt eng mit der Bestuhlung zusammen. Und schließlich der Inhalt. Folien mit viel Text müssen bis in die letzte Reihe lesbar sein, alte Fotos dürfen nicht ausgewaschen wirken.
Für eine LED-Wand kommen praktische Fragen dazu. Wo steht sie, trägt der Boden oder die Decke ihr Gewicht, und reicht der Strom an dieser Stelle? Das klärt man besser bei der Besichtigung als mit dem Lkw vor der Tür.
Fazit
Beim Jubiläum im Zelt waren die Bilder aus der Firmengeschichte der Moment, auf den es ankam, und mit einem Beamer wären sie im Tageslicht untergegangen. In der Olympiahalle hat ein Luftballon gereicht, um das Bild kurz zu unterbrechen. Beides lässt sich vorher sehen, wenn man im Raum steht und weiß, was gezeigt werden soll. Ob es dann die LED-Wand wird oder der Beamer, ist eine Rechnung aus Licht, Weg und Budget. Im Zelt fand sich trotzdem eine Lösung, obwohl die Einladungen schon draußen waren. Leichter wird es, wenn Sie im ersten Gespräch sagen, was Sie zeigen wollen.
